Aktuelle Pressestimmen


Tripelkonzert Op. 92

Spielraum (Wiener Zeitung, 12.1.2016)

Der Komponist Ivan Eröd, der am 2. Jänner seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, konnte sich am Sonntag über die Uraufführung seines Tripelkonzerts durch die Wiener Philharmoniker freuen und mit ihm das Publikum im ausverkauften Musikverein und die Zuhörer der Live-Übertragung.

Vor einem Hintergrund aus Streichern und Harfe, gelegentlich gewürzt durch Percussion und Blecheinwürfe, bietet sich den drei Soloklarinetten ein prächtiger Entfaltungsspielraum – im zweiten Satz können die Solisten in einer Art achtsamem Gespräch die sanglichen Qualitäten ihrer Instrumente, im humorvollen, tanzartigen dritten Satz ihre Virtuosität beweisen.

Ein sympathisches Werk mit folkloristischen Zügen, das beim Publikum gut ankam

Maila von Haussen

Wenn der Vater mit den Söhnen (Der Standard, 14.1.2016)

Wie immer gut begonnen hat das neue Jahr für die Wiener Philharmoniker: Das Orchester durfte sich beim Neujahrskonzert weltweiter wohlwollender Aufmerksamkeit erfreuen. Gut begonnen hat das neue Jahr auch für Ivan Eröd: Der österreichisch-ungarische Komponist wurde am 2. Jänner 80 Jahre alt, und genau acht Tage nach seinem runden Geburtstag brachten die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons erstmals ein Werk von ihm zur Aufführung. "Ganz nett" fand der grundsympathische Komponist und langjährige Kompositionslehrer den Akt der Zuwendung des Orchesters – manche seiner Kollegen hätten da bis zu ihrem 100. oder 150. Geburtstag warten müssen, meinte Eröd in der Programmpostille der Gesellschaft der Musikfreunde.

Eröds Opus 92 wurde am Sonntagvormittag im Großen Saal vorgestellt, das dreisätzige Tripelkonzert für drei Klarinetten und Orchester. Drei Klarinetten – da war doch was? Genau: Ernst Ottensamer, langjähriger Soloklarinettist des Orchesters, bildet zusammen mit seinen Söhnen Daniel und Andreas, beide ebenfalls Soloklarinettisten bei den Wiener und den Berliner Philharmonikern, das Ensemble The Clarinotts.

Diesen drei Widmungsträgern schrieb Eröd ein farbiges, kurzweiliges Werk. Ein schnell wechselnder Szenenverlauf ließ keine Langeweile aufkommen, eine gemäßigt moderne Tonsprache keinerlei verstörende Unverständlichkeiten.

Stefan Ender

Freude über Musikkonfetti (Die Presse, 11.1.2016)

Für sein Klarinetten-„Tripelkonzert“ ist Eröd allerhand eingefallen, vor allem aparte Orchestrierungskunststücke, die er wie bunte Konfetti über ein klassizistisch gearbeitetes, harmonisch herrlich altmodisches Concerto in drei Sätzen streut.

Wunderbar, wie das rhythmisch scharf konturierte Hauptthema des ersten Satzes aus der Einleitung herauswächst, und sich dann im aus samtweichen Phrasen geflochtenen Seitenthema die Solostimmen mit den orchestralen Partnern verschwistern: Streicher in der Exposition, Harfe in der Reprise.

Durchführung und Kadenzen bieten den Solisten Gelegenheit, sich auch einzeln und in friedlichem Wettstreit „gegeneinander“ zu beweisen. Schön, wenn einer sein Handwerk beherrscht und noch verschmitzt eine Bassklarinette „in ripieno“ zu nutzen versteht...

Die Faktur des zweiten Satzes erinnert in ihrer Gegensätzlichkeit zwischen ruhigem Haupt- und den zwitschernden und raunenden Naturstimmen des Mittelteils an Bartóks „Drittes Klavierkonzert“. Das große Vorbild blickt Eröd auch im Finale über die Schulter, in dem magyarisches Kolorit die gemeinsame Heimat beschwört.

Viel Applaus für die Novität wie für umgebende Klassik.

Wilhelm Sinkovics

Mit Bravour und Witz (Kronen Zeitung, 11.1.2016)

Eröds Konzert bietet reichlich Raum für billante solistische Entfaltung und Stimmungen; und: Das Werk hat eine spitzbübische Attitüde! Ein eingängiges, klug gebautes Stück, das sich in der Tradition attraktiver Solistenkonzerte stellt

AN

Wenn der Vater mit den Söhnen groß aufspielt (Kurier, 11.1.2016)

Auch das gibt es: Eine Uraufführung im Musikverein, bei der das Publikum ehrlich jubelt, bei der Komponist, Solisten, Orchester und Dirigent gefeiert werden.

So geschehen bei dem „Tripelkonzert für drei Klarinetten und Orchester“ (op. 92), des seit ein paar Tagen 80-jährigen Iván Eröd. Dieser hat ein dreisätziges Stück geschrieben, das aus einem delikaten, langsamen Mittelteil und zwei schnellen, teils sogar swingenden Ecksätzen besteht. Meist tonal, oft jazzig, immer perfekt strukturiert.

Peter Jarolin

Gamola-CD mit Violinwerken (T. A. Irnberger)

Iván Eröd, born in Hungary 1936 an an Austrian resident since 1956, when he fled from the Soviet suppression of the Hungarian Uprising has had to wait longer for the appearance of his major works on CD than most other composers of his stature, There's a Viola Concerto (1980) that ought to be mainstream material (it was released on LP in 1985 and hasn't been recorded since) an an orchestral song-cycle, Schwarzerde (1985) that baritones ought to be fighting over. There are three symphonies and two sonatas for orchestra, a number of other concertante pieces, much chamber music, including three string quartets and two sting sextets, much vocal music, solo and choral, and six operas – have a look at the worklist at www.ivan-eroed.at for evidence of a life well spent. But recordings have been sporadic and concentrated on the smaller-scale pieces. Let's hope for a slew of orchestral and operatic recordings to mark his 80th birthday in a couple of years. There are a lot of composers who, being excellent craftsmen, write music which impresses as it goes through its motions but doesn't leave, in Percy Grainger's phrase, an 'impress of personality'. Eröd's does: the voice is individual and distinct – and very attractive. [...]

You know you're dealing with a composer with real personality when his identity is clear from a single melodic line, and that's the case in the first of the Three Pieces for Violin Solo, Op. 27 (1978-79) – to begin with, at least, since an occasional double-stop is the trigger for the piece to expand into three-part harmony. [...]

Congratulations to Gramola on at last putting a generous helping of Eröd on our tables – but there's much more still to come out of the kitchen!

Martin Anderson

Interview auf Klassik-info.de (⇒ Direktlink)

Gerade in den von Ihnen ausgewählten Werken für Violine wie etwa in dem sehr launigen Violinkonzert op.15 von 1973 gewinnt Eröds Absicht, verständliche, emotional nachvollziehbare, Lebensfreude versprühende Musik zu komponieren, eine besonders unmittelbare, ansprechende Gestalt.

Attila Csampai

Eröds Musik ist moderne Musik, die den Zuhörer anspricht. Seine moderne Kompositionstechnik wird in die Tonalität eingebettet, in einer Weise, die auch den nichtgeschulten Hörer verzaubert, ihm das Gefühl gibt, das Werk zu verstehen. Ich sehe Ivan Eröd als Brückenbauer zwischen der Zeit vor dem 2. Weltkrieg und der Avantgarde und mich als Wanderer auf dieser Brücke.

Thomas Irnberger

Iván Eröd: Szenen einer Befreiung – Werke des ungarisch-wienerischen Komponisten Iván Eröd. (Die Presse, 19.09.2014 ⇒ Direktlink)

Iván Eröd ist einer jener Meister der zeitgenössischen Musik, die sich schon früh gegen den ästhetischen Gesinnungsterror der Avantgarde nach 1945 zur Wehr gesetzt haben. Er hat sein Abweichlertum zu spüren bekommen, doch haben ihm die Zeitläufe recht gegeben: Als die Postmoderne ausgerufen wurde, war Eröd (und mit ihm einige Kollegen aus Wien, zuvörderst Kurt Schwertsik und Heinz Karl Gruber) schon längst in den scheinbar neu erschlossenen Gefilden heimisch. Eröds Karriere spiegelt sich in dieser CD des Geigers Thomas Albertus Irnberger wider: Mit dem Israel Chamber Orchestra unter Martin Sieghart und dem Pianisten Michael Korstik hat er die beiden Violinsonaten und das Violinkonzert Eröds aufgenommen. Sonate Nr. 1 und Konzert sind früheste Dokumente eines Befreiungsschlags.[...]
Schwertsik hatte die Probleme, die Komponisten mit den „Vorschriften und Tabus“ der Avantgarde hatten, auf den Punkt gebracht, als er seinem Kollegen Gruber riet: „Wenn du gerade nicht weißt, welche Musik du schreiben sollst, schreib einfach die Musik, die du selber hören willst.“ Das hätte auch Eröds Credo sein können: Er schrieb Musik, die er selber hören wollte – und mit der kein Publikum seither Probleme hatte. Die neue CD birgt Klänge, die in Film- und U-Musik Platz haben könnten, die aber von Meisterhand perfekt in klassische Formen gebracht wurde. Die Aufführungen haben Kraft und Charme.

Wilhelm Sinkovicz

Rezension in der Wiener Zeitung, 15.04.2014 ( ⇒ Direktlink)

Überhaupt ist das die große Kunst Eröds: Emotion auszudrücken, oft heftig und harsch in der Akkordbildung, aber auch Oasen der Entspanung und des virtuosen Spiels ohne Stilbruch zu integrieren. Irnberger ist ein hinreißender Interpret dieser Musik, beim Konzert assistiert das Israel Chamber Orchestra unter Martin Sieghart auf Top-Niveau - was diese CD zu einem absoluten Spitzenprodukt dieses auch sonst vorbildlich entdeckungsfreudigen Labels macht.

eb

Sonata Milanese auf CD (Frank Morelli)

Rezension in der Zeitschrift Fanfare (März/April 2014)

[In Iván Eröd's Sonata Milanese] Morelli's bassoon sings the Andante tranquillo with a truly beautiful legato that leads into a melodic Lento. The final Presto section ties all the loose ends together and the work ends in a triumph of technique and artistry...

Maria Nockin

Øresund Op. 90

Der Standard, 5./6.10.2013

Vorankündigung im Standard

Kurier, 9.10.2013

Da haben Musiker eine Kardinalsidee gehabt, in die Welt gesetzt in intensivster Uraufführungserfüllung und in zwingendem Kontext präsentiert:
Ivan Eröd (Jahrgang 1936), der selbst seinen Bruder Andras und seine Großeltern in der Shoah verlor, erinnerte in seiner 3. Symphonie unter dem Titel "Øresund" an jene Großtat der Zivilcourage, mit der im Oktober 1943 die dänische Bevölkerung "ihre Juden" mit Fischerbooten vor dem Zugriff des Gestapo-Juhl rettete: 7000 überlebten die ewige Flucht. Thomas Höft hat Eröd einen konzentrierten Kantaten-Text entwickelt, in dem mit eindrucksvoller Baritonstimme der Passauer Christian Miedl als Chronist und die britisch-deutsche Sopranistin Sarah Wegener als vox humana einer Flüchtenden der humanen Großtat ein klingendes Denkmal setzen. Das Vocalforum Graz (unter Franz M. Herzog) und das von Michael Hofstetter packend geleitete Große Orchester Graz "recreation" boten Ergreifendes. [...]

Hansjörg Spies

Steirerkrone, 9.10.2013

[...] Iván Eröd hat die Flucht in Fischerbooten in seiner Kantate "Øresund" thematisiert, die von "recreation" im Stefaniensaal uraufgeführt worden ist.
"Heute bin ich Flüchtling. Ich warte auf die Boote." Man müsste mit Blindheit geschlagen sein, entdeckte man in Thomas Höfts Text zu Eröds symphonischer Kantate "Øresund" nicht Parallelen zur Gegenwart. Die eigentlich oiptimistische Hauptaussage: "So lang ist es nicht her. So weit ist es nicht weg. So wenig hat es nicht zu sagen", bekommt so einen mahnenden, dringlichen Unterton.
Thomas Höft het bei seiner textlichen Aufarbeitung der Ereignisse am Øresund, der Meerenge zwischen Dänemark und Schweden, auf Klarheit und Verständlichkeit gesetzt. Das entspricht auch Eröds Intentionen: Der 1936 geborene Komponist, der selbst Angehörige im Holocaust verlor, setzt auf klassisch-tonale, klar konturierte Musik. Das leitmotivisch eingesetzte Signal zum Aufbruch, die Apotheose der Menschlichkeit im Finale – es ist rührend zu hören, wie ein persönlich Betroffener das Prinzip Hoffnung musikalisch Gestalt werden lässt. [...]

Martin Gasser

Klarinettenkonzert Op. 88

Wiener Zeitung, 14.10.2011

[Eröd] komponierte, inspiriert von der Solistin der Premiere, ein klassisch dreisätziges Klarinettenkonzert. Hier wurden keine Mauern niedergerissen, Eröd verstand mit diesem Werk ein weiteres Mal, einem großen Ensemble melodisch bestens ins Ohr gehende Ideen mitzugeben [...] Der Komponist hat der Gegenwart ein Werk geschenkt, das nicht nur unterhält, sondern bewegt und in seinen Motiven einen einmaligen Wiedererkennungswert hat.
Mit der Klarinette der israelischen Künstlerin Sharon Kam stand dem Orchester eine kongeniale Solistin zur Seite [...]

Daniel Wagner

Kronen Zeitung, 11.10.2011

[...] Nachfolgendem Klarinettenkonzert Eröds merkte man zweierlei an: Eröd liebt die Klarinette. Er lässt sie schmeicheln und gurren, gibt ihr Raum zur Entfaltung. Was an Virtuosität und Farben möglich ist, wird gekonnt ausgespielt. Berückend schön präsentiert die großartige Solistin Sharon Kam das Werk. Und zweitens: Eröd setzt den großen Orchesterapparat so klangfarbenlastig ein, wie man es heute selten hört. Färbung über Färbung, Stimmung über Stimmung. Und der Komponist wahrt die Balance zwischen Soloinstrument und Orchester, weist jedem den richtigen Platz zu.

Oliver A. Láng

Antrittskonzert bei der Széchenyi-Akademie

Das Antrittskonzert, mit dem am 11. Oktober 2010 Eröds Aufnahme an der Széchenyi Akademie der Literatur und Künste gefeiert wurde, hat János Malina in der ungarischen Musikzeitschrift muzsika besprochen. Die Originalrezension in ungarischer Sprache finden Sie auf der Homepage der Zeitschrift: http://www.muzsikalendarium.hu. Für eine deutsche Übersetzung der Kritik klicken sie bitte hier.

Alterslaunen Op. 86

Stuttgarter Zeitung, 3.7.2010

Jetzt haben Mitglieder des Staatsorchesters zum Auftakt ihres letzten Kammerkonzerts dieser Saison im Mozartsaal Eröds 'Alterslaunen. Variationen über ein eigenes Thema' op. 86 zur Uraufführung gebracht. Eröd hat beherzt in den Fundus gegriffen, ein Thema aus seiner Oper in sieben Bildern 'Die Seidenraupen' (1964-1968) gewählt und darauf 17 Variationen geschrieben. Mit demselben Spaß, mit dem Eröd wohl die Zwölftonmelodie von 'Rothars Abschied' tonal verkleidet hat, spielten das Ensemble diesen kursorischen Gang durch die Musikgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, in dem Eröd mit Augenzwinkern Ligetis Motorik zitiert, Prokofjews Lust am Grotesken, Schostakowitschs Sinn für markante Rhythmik und dabei doch einen ganz eigenen Ton findet.

rle

Cannstatter Zeitung, 2.7.2010

Mit einer heiteren, ja fast knitzen Uraufführung begann im Mozartsaal der Liederhalle das letzte Kammerkonzert des Stuttgarter Staatsorchesters in dieser Spielzeit [...]. Verspielt und einfallsreich verdienen sich die 'Alterslaunen' des österreichisch-ungarischen Komponisten Iván Eröd ihren Titel zu Recht. Die bis auf ein paar Spurenelemente durchweg tonalen Variationen über ein Thema aus seiner eigenen Oper 'Die Seidenraupen', gesetzt als Oktett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, entstanden als Auftragswerk des Stuttgarter Staatsorchesters [...]. Fast jede der 17 kurzen Variationen überrascht als neue, launige Miniatur, ob Zigeunertango, Lamento oder munteres Bälle-Zuwerfen zwischen Bläser- und Streichquartett. Die Lust am kunstvollen Verflechten der Stimmen und das Ende in einer presto dahinwuselnden Jagd lassen vermuten, dass der 74-jährige Eröd seinen Lebensabend bestimmt nicht als Grübler verbringt, ähnlich wie Rossini mit seinen 'Péchés de vieillesse'.

Angela Reinhardt

Pünktchen und Anton

Wiener Zeitung, 11.5.2010: "Die Schönheit der Utopie"

[...] Höft hat das Kunststück vollbracht, Erich Kästners Roman von 1931 auf rund eine Opernstunde zu komprimieren, ohne dabei den humoristischen oder humanistischen Gehalt auszudünnen.

[...] - Entrückende Schönheit - In ihrer Wirkmacht wird Matthias von Stegmanns ideenreiche Regie noch durch die Musik übertroffen. Aus Iván Eröds Melodien leuchtet eine sehnsüchtige Schönheit, die Kästners Sozialutopien ebenbürtig ist - am bezauberndsten vielleicht im Duett vom Teilen, das in seinen Melodiebögen, den idyllischen Modulationen ein wenig an Richard Strauss gemahnt.

[...] Eine Kammermusik ist das, die selbst im animierten Moment noch Lyrik besitzt - und die sich nur hier und da, raffiniert mit einer Melodiewindung über die Tonalität hinauskringelt. Okay: Wenn Eröd zuletzt lautes Schlagzeug zuschaltet, fährt diese Intensitäts-Steigerung hauruckartig ins Klangbild. Abgesehen davon aber weist diese Oper mit ihren Duetten und Ensembles, Swing- und Tango-Anklängen einen versierten Bühnenschreiber, mehr noch: einen begnadeten aus. Weil es Eröd versteht, griffige Melodien fern der Banalität zu finden.

Christoph Irrgeher

News, 12.5.2010:

[...] Erich Kästners Solidarität und Courage einforderndes Kinderbuch mit der pointierten, ironischen Musik der Melodikers Iván Eröd ist ein wahres Geschenk und eine feine Investition in die Zukunft der Oper. [...]

H.S.

Kurier, 9.5.2010: "Staatsoper - krönender Abschluss einer großen Ära"

Komponist Iván Eröd hat für "Pünktchen und Anton" eine sehr intelligente, illustrative, eingängige, bewusst mit Zitaten gespickte Musik geschrieben, die zwischen Wiegenlied und Tango, zwischen strenger Klassik und Wiener Schmäh perfekt changiert. Nichts für deklarierte Neutöner, aber dafür umso raffinierter gebaut und sehr gut umgesetzt vom Bühnenorchester der Staatsoper unter der Leitung von Friedrich Pfeiffer. Und Librettist Thomas Höft hat Kästners Kinderbuch auf straffe und kindgerechte 70 Minuten reduziert.

Dazu kommt, dass mit Matthias von Stegmann ein genialer Regisseur am Werk war, der gemeinsam mit seinem Ausstatter (fabelhaft die wechselnden, viel Raum suggerierenden Bühnenprospekte von Walter Schütze) die Geschichte von "Pünktchen und Anton" nach Wien verlegt hat und Pointe um Pointe perfekt zünden lässt.

Dass Stegmann auch jede Menge Sozialkritik (Armut, Bettlertum, Einsamkeit und Wohlstandsverwahrlosung) einbringt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt dieser hinreißend spritzigen Inszenierung.

Peter Jarolin

Oberösterreichische Nachrichten, 10.5.2010:

Mit der Uraufführung von "Pünktchen und Anton" von Inán Eröd ist der Wiener Staatsoper ein außerordentlicher Erfolg gelungen. [...]

Thomas Höft hat aus Erich Kästners Geschihchte ein tiefsinniges und doch kindgerechtes Libretto geschaffen, das trotz der heiteren Grundtendenz nachdenklich stimmt - frei nach Kästners Motto : Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Iván Eröd hat dazu eine echte Opernmusik geschrieben, die von den kleinen Zuhörern Aufmerksamkeit fordert und ganz bewusst mit dem klassischen Repertoire an Formen und Klängen spielt. Ein bisschen jazzig darf es schon sein, es ist aber meilenweit davon entfernt, rockig-poppigen Einheitssound zu präsentieren. Vielmehr knüpft Eröd im Orchester ein subtil verschlungenes motivisches Netz, das die ideale Grundlage für die ebenfalls opernhaft agierenden Sänger bietet.

Michael Wruss

Der Standard, 10.5.2010:

[...] Regisseur Matthias Stegmann zeigt die klug verknappte Geschichte kindgerecht, kurzweilig, mitunter auch so drastisch, dass die Kleineren wohl ein paar Fragen an die Eltern haben werden.

Iván Eröd hat eine eingängige, beschwingte, mitunter melancholische Musik geschrieben, die das Bühnenorchester der Staatsoper und Dirigent Friedrich Pfeiffer mit spürbarer Lust umsetzten.

Daniel Ender

Die Furche, 12.5.2010: "Ein einzigartiges Abschiedsgeschenk für das jüngste Publikum"

[...] Thomas Höft hat Kästners Geschichte, eine Parabel der Hoffnung, dass Arm und Reich schließlich zusammenfinden, so gerafft, dass Eröds Musiktheater exakt eine Stunde dauert. Dabei sind die Personen so klar gezeichnet, dass auch Kindern die spezifische Moral dieses Sujets unmittelbar deutlich wird. Eröd hat sich dazu eine Musik einfallen lassen, die, bewusst tonal konzipiert gleichermaßen von eingängigen Melodien wie zündenden Rhythmen lebt, die explizit unterhalten will und zudem versteht, die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Protagonisten unmissverständlich zu umreißen.

Walter Dobner

ÖMZ, 6/2010:

Die Etablierung der Kinderoper am Dach der Wiener Staatsoper war wahrscheinlich die wesentlichste Leistung der Ära Holender, und die zuletzt in Auftrag gegebene Oper krönte diese Unternehmung. Tatsächlich schuf der bedeutende Komponist ein Werk für Kinder, das sie nicht nur mit einem leicht verständlichen und trotzdem utopischen Lehrstück in Richtung Humanität konfrontierte, sondern vor allem auch mit den gängigen Opernformen und der musiktransformablen Struktur von Gefühlsebenen, wie sie die großen Werke der Operngeschichte immer anbieten. Die mustergültige Aufführung zeigte nicht nur Qualität obersten Maßstabes ohne falsche Töne in Orchester und Ensemble, sondern auch die Ernsthaftigkeit eines teilweise durchaus komischen Sujets. [...]

Eröds Musik, bei aller schrägen Modernität verständlich und fassbar, sogar soweit, dass die Kleinen sich an Vorgaben erinnern konnten, integrierte Interpreten und Publikum, wie es gelungener gar nicht sein kann.

Manfred Wagner

Giornale della musica

Le linee vocali puntano bensì alla comprensibilità testuale e all'espressività. C'è anche spazio per momenti di ampio slancio vocale come in un duetto tra i protagonisti principali. Nell'orchestra ampio spazio è lasciato alle percussioni. È una partitura vesatile, con molti elementi presi p pretito das Jazz e da diverse tradizioni popolari e uso di una tonalità estesa. [...]

Haydn-Sonaten (Gramola-CD)

Bühne, 6/2010: Iván Eröd: Der Komponist spielt Haydn-Sonaten

Zum Triumph für Iván Eröd wurde unlängst die Uraufführung seiner Kinderoper Pünktchen und Anton an der Wiener Staatsoper. Dass der Komponist auch als Pianist Karriere machte, belegen Aufnahmen einiger Haydn-Sonaten, die kurz nach 1970 entstanden sind und von Gramola auf zwei CDs nun neu ediert wurden. Eröd spielt sie (darunter die letzten fünf) mit weichem Anschlag, flüssiger Agogik, technisch souverän und subtil ausgeleuchteter Ornamentik. Freilich hat sich in den letzten 40 Jahren einiges verändert. Heute würde man mehr Kanten erwarten und eine schärfere Profilierung der musikalischen Charaktere. Trotzdem, ein schönes Dokument eines großen Musikers.

PB